MDK
In 2025 haben wir wieder viele Familien kommen und gehen gesehen. Eine Familie ist uns dabei aber ganz besonders in Erinnerung geblieben...
Es war ein warmer Sommernachmittag im Garten des Ronald McDonald Hauses in Berlin-Wedding. Zwischen bunten Blumen sitzt Christin mit der Hausleitung bei einer Tasse Tee. Immer wieder umkreist ein weißer Schmetterling die beiden. Christin lächelt, denn für sie hat dieser Schmetterling eine ganz beson dere Bedeutung.
Christin (36) und ihr Mann Nico (43) stammen aus dem kleinen Ort Taura in Sachsen. Dort betreiben sie mit ganz viel Herzblut einen Bauernhof, umgeben von Tieren und Feldern. Sie lieben das Landleben in der Natur.
Fünfzehn Jahre lang haben Christin und Nico von eigenen Kindern geträumt und nichts unversucht gelassen. 2025 erfüllt sich dieser Wunsch endlich – dank künstlicher Befruchtung. Das Glück könnte nicht größer sein: Zwillinge!
Die Schwangerschaft verläuft zunächst komplikationslos. Doch bei der Routineuntersuchung diagnostizieren die Ärzte Polyhydramnion, eine Erkrankung, bei der sich in der Fruchtblase zu viel Fruchtwasser ansammelt – Lebensgefahr!
Christin wird zunächst in die Uniklinik Leipzig eingewiesen, dann jedoch gleich weiter nach Berlin in die Charité überwiesen. >Die Ereignisse überschlugen sich<, erzählt Christin. >Kaum dort angekommen, platzte noch während der Anmeldung meine Fruchtblase – in der 21. Schwangerschaftswoche!<
Christin blickt zurück: >Jede Stunde zählte, denn die Lungen der Zwillinge waren noch nicht reif. Eine Lungenreifespritze darf aber erst ab der 22. Schwangerschaftswoche gegeben werden.< Mit unglaublicher Willenskraft schafft sie es, diese kritische Grenze zu überschreiten. Doch dann der nächste Schock: >Fritz hatte keinen Herzschlag mehr, und bei Benno sank die Herzfrequenz rapide ab. Am 30. Juni 2025 mussten die Ärzte deshalb einen Notkaiserschnitt durchführen. Das war in der 22. Schwangerschaftswoche plus drei Tage – so konnte die Lungenreifespritze wirken! Mein Mann Nico war zu dem Zeitpunkt noch zu Hause, er musste ja die Tiere versorgen. Aber die Ärzte und Pflegekräfte trösteten mich, was mir sehr half.<
Es grenzt an ein Wunder, beide Kinder überleben die Geburt – Fritz mit 450 Gramm und Benno mit 480 Gramm. >Ich konnte die beiden nur ganz kurz sehen, weil sie sofort gewärmt und versorgt werden mussten. Selbst die Ärzte hätten nicht gedacht, dass sie es schaffen.<
Die ersten Tage sind eine Zerreißprobe: Christin erleidet einen schweren Infekt, und zu alledem reißt auch noch die Kaiserschnittnarbe auf. Doch auch unter Schmerzen hält sie nichts davon ab, bei ihren Kindern zu sein.
Am 7. Juli wird Christin aus dem Krankenhaus entlassen und zieht direkt ins Ronald McDonald Haus. So ist sie immer in der Nähe, während Nico am Wochenende kommen kann. >Fritz entwickelte sich zunächst gut. Nico konnte sogar mit ihm kuscheln. Benno war eigentlich das Sorgenkind, denn er musste noch am Darm operiert werden. Dann kam jedoch alles anders. Abends am 9. Juli kam der Anruf: Fritz’ Organe versagen. Ich rannte ins Krankenhaus. Nico machte sich sofort auf den Weg nach Berlin. Er kam gerade noch recht zeitig, denn in dieser Nacht mussten wir uns von Fritz verabschieden. Wir blieben die ganze Nacht bei unserem Sohn, bevor er in ein kleines Schiffchen gebettet wurde.< Seitdem begleitet sie der weiße Schmetterling. >Immer wenn ich ihn sehe, weiß ich: Das ist unser Fritz. Es ist einfach so ein Gefühl! Unser Fritz wird für immer bei uns sein und wir vermissen ihn ganz schrecklich. Aber wir müssen nun auch für seinen Bruder Benno weiterkämpfen.<
Während die Trauer bleibt, wächst langsam die Hoffnung, denn Benno wiegt nun mittlerweile 1.300 Gramm und atmet fast ganz eigenständig. Jeden Tag kuschelt Christin stundenlang mit ihm – am Wochenende auch Nico. >Benno sieht jetzt auch schon aus wie ein richtiges Baby<, erzählt die stolze Mama.
Mittlerweile sind einige Monate vergangen. Benno durfte Anfang Dezember endlich mit seinen Eltern nach Hause. Er entwickelt sich prächtig und die stolzen Eltern können gar nicht genug von ihm bekommen. Alles Gute für Euch Drei! Ihr könnt Euch sicher sein, wenn wir einen weißen Schmetterlingen fliegen sehen, werden auch wir immer an Fritz denken!
30.12.2025