Unser
Ronald McDonald Haus
Erlangen

Das Schicksal ihrer Kinder machte aus zwei Fremden Freundinnen

Romy aus Nürnberg und Sylvia aus Schweinfurt sind zwei Frauen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch verbindet sie das gleiche Schicksal – ihre Babies kamen mit schweren Herzfehlern zu Welt. Dieses Schicksal hat die beiden auf eine ganz besondere Weise verbunden. Ihre gemeinsame Geschichte möchten wir gerne erzählen.

Die beiden Freundinnen
Der kleine Lucian
Die kleine Leonie

Kennengelernt haben sich Romy und Sylvia auf der Kardio-Intensivstation der Universitätskinderklinik in Erlangen. Zu dem Zeitpunkt lagen Leonie Hofmann (3 Monate) und der gerade geborene Lucian Kippes im gleichen Zimmer und die Eltern der beiden waren fast rund um die Uhr an ihrer Seite der kleinen Kämpfer, standen und saßen abwechselnd an den Bettchen. Seite an Seite erlebten sie kleine Höhepunkte und Rückschläge des jeweils anderen mit. Sympathisch waren sich die beiden Mamas von Anfang an, obwohl sie gerade mal den Nachnamen der anderen kannten. „In der Situation ist man einfach erst mal völlig überfordert. Die Ungewissheit, die Sorgen und die Ängste sind einfach übermächtig“, erinnern sie sich. „Man funktioniert einfach nur noch, für sein Kind. Es ist eine enorme Belastung und Herausforderung für einen selbst, den eigenen Körper aber auch für zwischenmenschliche Beziehungen. Der Partner ist da oft die einzige Bezugsperson.“

All ihre Fragen wie „Wie geht es weiter?“, „Geht alles gut?“ und „Warum wir?“ konnte niemand beantworten. Die Freude des einen Tages schlug nicht selten in Traurigkeit am anderen Tag um. Und doch war da immer der unermessliche Stolz darüber, wie tapfer die beiden Kleinen sind! Tag für Tag von früh bis manchmal spät in die Nacht an der Seite der kleinen Herzchen zu sein, hat den Eltern alle Kraft abverlangt. „Gerade deswegen war es so wichtig für uns, im Ronald McDonald Haus ein „Zuhause auf Zeit“ zu haben, wo wir neben dem Klinikalltag etwas Kraft tanken und das ein oder andere Gespräch mit anderen Eltern führen konnten“, erzählen die Beiden. „Vor allem auch, um zu schlafen und ein bisschen vom "normalen" Leben aufzubewahren: Obst, etwas Süßes, die eigene Zahnbürste.... Das sind ganz wichtige Anker in dieser Zeit.“ Die Nähe zur Klinik gab den Eltern die Sicherheit, jederzeit sofort reagieren zu können, sollte etwas mit ihren Kindern sein. Es war ein Leben auf Abruf. „Da fühlten sich manchmal selbst fünf Minuten Fußweg zur Intensivstation wie eine kleine Ewigkeit an.“

Der eigene Geburtstag, die Adventszeit, Weihnachten und Silvester flogen an den Beiden nur so vorbei. Das Einzige, was zählte, waren ihre Kinder, und für die lohnte es sich, jeden Tag aufs Neue aufzustehen und die Hoffnung nicht aufzugeben! Ein "Ich kann nicht mehr" gab es nicht.

„Der Austausch bei einem Kaffee in der Ronald McDonald Oase war immer eine kleine Verschnaufpause. Die Elternfrühstücke und Kochabende im Haus waren eine schöne Abwechslung, um kurz auf andere Gedanken zu kommen - auch, wenn man sich über das kranke Kind austauschte. Ja, diese Gespräche taten gut“, berichten die beiden von Ihrer Zeit im Haus.

Leider haben nicht alle Märchen ein Happy End. Die Ärzte mussten den Eltern von Lucian nach sieben Wochen Kampf mitteilen, dass es keine Hoffnung mehr gibt. Bis zum letzten Atemzug hat Lucian nicht aufgegeben und hat den Eltern noch so viel Freude und Lebensmut gezeigt. Nach nur neun Wochen hat Lucian leider den Kampf verloren. Die ganze Geschichte von Lucian finden Sie hier.

Leonie hatte ihre zweite große Herz-OP im Januar 2017 nur mit viel Unterstützung überlebt. Wie durch ein Wunder kämpfte sich Leonie nach vier Wochen zurück ins Leben und durfte sogar wieder nach Hause. Leonie wollte leben! Doch schon vier Wochen später wollte ihr Herz nicht mehr schlagen. So unerwartet es kam, so gut tat es, Leonie ihre letzte Ruhe auf der Intensivstation zu gewähren. Den behandelnden ÄrztInnen und Schwestern gilt der ganze Respekt der beiden Mamas. Und auch im Ronald McDonald Haus wurde uns stets mit großer Herzlichkeit und Feingefühl begegnet. „Ein sensibler Umgang mit uns als Eltern ist keine Alltäglichkeit,“ sagen die Beiden.

„Niemandem sollte so ein Schicksalsschlag widerfahren“, erinnern sie sich. „Es wirft alles aus der Bahn und verändert das ganze weitere Leben.“ Wie kann man einer solchen Erfahrung etwas "Gutes" abgewinnen? „Nun, aus unserem gemeinsamen Schicksal entstand eine tiefe Freundschaft. Jede weiß, wie sich die andere fühlt. Wir verstehen uns auf einer ganz besonderen Ebene.“

Noch heute treffen sich die Beiden regelmäßig und stehen sich sehr nahe. Die erlebte Zeit prägt und ihre Freundschaft macht sie stärker. Der Stolz auf ihre zwei Kämpfer ist ungebrochen groß. „Trotzdem bleibt es ein "Wahnsinn". Manchmal hat man auch keine Worte dafür. Nur Tränen. Aber immer auch schöne Bilder der erlebten Zeit.“

„Es gibt da oben zwei ganz besondere Sterne, die immer für uns leuchten und auf uns aufpassen werden. Aber besonders tragen wir unsere Kinder in unserem Herzen, immer bei uns.“

08.12.2017

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