Unser
Ronald McDonald Haus
Erlangen

Wie Nano ihr Lächeln wiederfand

Manchmal schlägt das Schicksal so unbarmherzig und heftig zu, dass einem der Atem stockt. Als Familie Chikhoria Ende September 2018 zu uns ins Haus kam, hatten Mama Katharina, Papa Alexander und die damals noch 2-jährige Nano schon eine Odyssee hinter sich, die in ihrer Heimatstadt Tiflis in Georgien begonnen hatte und in der Universitäts-Kinderklinik Erlangen ihren vorläufigen Endpunkt erreichte.

Die Leukämie ist besiegt! Die ganze Familie kann wieder lachen.
Beste Freundinnen: Nano und Hanna.
Das Ronald McDonald Haus wurde während der Behandlung zum Zuhause für die ganze Familie.
Wir haben die Haare schön! Mama Katharina hat sich mit Nano gemeinsam den Kopf rasieren lassen.

>Angefangen hat alles im August 2018<, erinnert sich Papa Alexander. Seine Tochter Nano bekam Fieber und zunächst dachte man an einen Virus. Nachdem aber die Behandlung nicht erfolgreich war und noch eine schwere Ohrenentzündung dazu kam, liefen die Eltern mit der kleinen Nano von Arzt zu Arzt. >Insgesamt waren wir bei 15 Ärzten in Georgien<, erzählt Mama Katharina, >alle sagten, dass Nano sich einen Virus eingefangen hat und es schon bald besser werden würde.< Doch entgegen der Prognosen ging es Nano immer schlechter. >Wir waren am Verzweifeln, als uns eine Freundin aus Deutschland den Kontakt zu einem neuen Arzt in Georgien herstellte, bei dem wir auch gleich einen Termin machten.< Nach den sofort durchgeführten Tests stand dann zum ersten Mal ein Verdacht im Raum: es könnte Krebs sein. Papa Alexander kann sich noch gut erinnern: >Der Schock war riesengroß und wir dachten nur, das darf doch nicht wahr sein.< Für die Eltern war schnell klar, dass Nano nicht in Georgien behandelt werden soll - auch wenn das bedeutet, alle Kosten für die Behandlung selbst zu tragen. >Hier sind die Behandlungsmöglichkeiten längst nicht so gut wie beispielsweise in Deutschland, die Sterberate bei Kindern ist extrem hoch<, erklärt Papa Alexander.

Erste Station war die Klinik in Bamberg

Aus seiner Studienzeit in Deutschland hatte Papa Alexander einen Bekannten, der Oberarzt im Klinikum in Bamberg ist - die erste Anlaufstelle der Familie. >Wir hatten noch die Hoffnung, dass Nano doch etwas Anderes hat.< So ließ die Familie in Georgien alles hinter sich, packte ihre Koffer und schon am nächsten Tag checkte Nano in der Klinik in Bamberg ein. Ein schwerer Schritt, denn die Eltern ließen damit auch die gerade erst zur Welt gekommene kleine Schwester von Nano, Lisa, zurück. Mama Katharina nannte es immer: >zwei Tragödien in einer<. Auf der einen Seite mussten die Eltern mit ihrer kranken Tochter Hilfe in Deutschland suchen, damit Nano eine gute Überlebenschance hat, auf der anderen Seite musste sie ihre andere Tochter in Georgien bei den Großeltern zurücklassen.

Die schlimmsten Befürchtungen wurden wahr

In Bamberg angekommen bestätigte ein sofort gemachtes Blutbild die schlimmsten Befürchtungen: Nano war an ALL erkrankt – einer akuten lymphatischen Leukämie. Bei dieser Leukämieform geht man von bösartig entarteten Vorläuferzellen der Lymphozyten aus. Der einzige Lichtblick: diese Form der Leukämie ist bei ca. 80 % aller Kinder mit intensiver Chemotherapie heilbar. >Da die Klinik in Bamberg keine onkologische Abteilung für Kinder hat, wurden wir sofort nach Erlangen verlegt<, erzählt Mama Katharina. Dort wurde die Diagnose nochmals durch eine Knochenmarkspunktion bestätigt und die Behandlung startete sofort. >Wir hatten überhaupt keine Zeit, uns an den Gedanken zu gewöhnen. Im einen Moment ist man Zuhause in Georgien und lebt sein normales und glückliches Leben, im anderen Moment bekommt deine kleine Tochter ihre erste Chemotherapie. Wir erlebten das Ganze wie durch einen Film<, erinnern sich die Eltern. >In so einem Moment funktioniert man einfach nur noch.< Keiner wusste, was auf die Familie noch alles zukommen würde und wie lange sie in Deutschland bleiben müssen.

Endlich angekommen im Zuhause auf Zeit

>Erst mit dem Einzug ins Ronald McDonald Haus fühlten wir uns wieder wie Menschen<, erzählen die Beiden rückblickend. In der Zeit zwischen den einzelnen Chemoblöcken wohnte Nano mit ihren Eltern bei uns im Haus. Anfänglich war sie extrem schüchtern. Alles war so fremd für sie und machte ihr Angst. Sowohl Nano als auch Mama Katharina sprachen anfänglich so gut wie kein Deutsch, was die Verständigung schwer machte. Doch nach und nach passierte das, was so wunderbar an unserem Haus ist: die Familie wurde mit offenen Armen in unserer Gemeinschaft aufgenommen und hat schnell Freundschaften mit den übrigen Familien geschlossen. Familie Chikhoria wurde ein fester und nicht wegzudenkender Bestandteil unseres Hauses. Auch Nano taute langsam auf und aus dem ängstlichen und zögernden Mädchen mit den wunderbar dunklen Augen wurde wieder eine aufgeschlossene, lustige und fröhliche kleine Dame. Da Nano wegen der hohen Ansteckungsgefahr und der immerwährenden Angst vor Infektionen nicht mit anderen Kindern spielen durfte und große Menschenmengen meiden musste, fand sie in unserer Hausgemeinschaft ihre Spielkameraden. Am liebsten malte sie mit Hanna, der Assistentin der Hausleitung, oder half ihr bei der Büroarbeit. Die beiden wurden ganz dicke Freundinnen. >Es war so schön zu sehen, dass sich Nano im Haus wohl fühlte. Ihre ersten Worte nach dem Aufwachen waren immer „Wo ist Hanna?“<, freuen sich die Eltern rückblickend. >Für uns alle war es ein Segen, dass wir hier sein durften. Wir waren als Familie zusammen und hatten einen Ort, an dem wir uns zurückziehen konnten. Das Haus, seine Gemeinschaft und die Mitarbeiter haben uns durch die schwere Zeit geholfen.<

Happy End

Mittlerweile hat Nano ihre Chemotherapie mit allen Höhen und Tiefen tapfer gemeistert. Auch wenn sie bei uns immer gelacht hat, merkte man ihr doch an, wie anstrengend und belastend eine solche Behandlung für den kleinen Körper und die Seele war. Über neun Monate durften wir Familie Chikhoria ein Zuhause auf Zeit geben, bevor die wunderbare und erlösende Nachricht kam: Nano war krebsfrei! Sie hat es tatsächlich geschafft und die Leukämie besiegt. Anfang Juli stieg die Familie in den Flieger heim nach Tiflis und hat ein kleines Stück unserer Herzen mitgenommen. Wir wünschen Nano und ihrer ganzen Familie alles erdenklich Gute!

 

20.09.2019

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