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Ein Lebenslauf der etwas anderen Art

Mit dem >Lebenslauf< schließt Thomas Schwegel sein letztes großes Projekt vor der passiven Phase der Alters-Teilzeit ab. In 22 Etappen und über 420 Kilometer läuft er die wesentlichen Stationen seiner beruflichen Laufbahn noch einmal ab und sammelt dabei auch Spenden.

In 22 Etappen, vom Ländle bis ins Saarland.
Als Sonnenschutz geplant – auch für Regen genial.
Nordvogesen / Pfälzer-Wald
Altschlosspfad bei Eppenbrunn
Förderturm der Grube Göttelborn
Nach 420 km - endlich >dehemm<.

Vom Mercedes-Benz-Museum in Untertürkheim, über das smart-Werk in Hambach bis zu seiner alten Lehrwerkstätte im Saarland. Ein Bericht über tolle Erlebnisse mit den Kollegen, große Herausforderungen, eine Spendenaktion und die wirklich wichtigen Fragen des Lebens. Ein persönlicher Bericht:

Mein Lebenslauf auf über 400 Kilometern. Wie es dazu kam:

Wie bei vielen Projekten gibt es nicht immer zu Beginn den perfekten Plan und schon gar keine Details. Viele Ideen reifen durch Gespräche mit Kollegen und manchmal entwickeln sich Dinge einfach durch den Dialog und die Kommunikation weiter. So auch bei meinem „Lebenslauf“.

„Irgendwann werde ich meinen Dienstwagen abgeben müssen“ sagte ich vor einiger Zeit mit Blick auf die passive Phase meiner Altersteilzeit. Eine Kollegin fragte daraufhin nicht ganz ernst gemeint, „wie ich denn dann heimkommen werde“. Diese Frage war allerdings durchaus berechtigt, denn in all den Jahren, in denen ich in Stuttgart gearbeitet habe, bin ich am Wochenende doch meist zu meiner Familie ins Saarland gefahren. „Ich werde nach Hause laufen, dann sehe ich auch mal, wo ich nur vorbeigefahren bin in all den Jahren“, war wohl die schnelle pragmatische Antwort und der Auftakt meines „letzten großen Projektes zum Ausstieg aus dem Stuttgarter Berufsleben“.

So schnell wie die Idee gekommen ist, reifte dann auch der konkrete Plan: Ich wollte alle meine beruflichen Stationen, die ich zwischen Stuttgart-Untertürkheim und dem Beginn meiner Ausbildung in St.Wendel im Saarland durchlaufen habe miteinander verknüpfen und in etwa der Chronologie meines Lebenslaufes folgend abzulaufen. Als Produktionsplaner in der Automobil- und Zulieferindustrie kommt man viel rum. Um auch mal irgendwann anzukommen, musste ich daher die ein oder andere Station ausklammern. 423km blieben trotzdem auf meiner Wanderroute: Stuttgart-UT (MPSacademy) – Sindelfingen – Schwieberdingen – Gaggenau (Unimog-Museum) – Kuppenheim – Rastatt – Hambach/F – St.Wendel/Saarland (Lehrwerkstatt).

Mehr als 400 Kilometer sind eine beeindruckende Zahl. Ich hatte das Gefühl, dass ich hier meine Komfortzone sehr deutlich verlassen würde. Ob das gut gehen kann? Werde ich das schaffen? Damit es bloß kein Zurück mehr gibt, hatte ich zwei Hilfsorganisationen angefragt, ob sie mit einer Unterstützung einverstanden sind. Natürlich haben diese sich gefreut - noch ein Grund, die selbstdefinierten Erwartungen nicht zu enttäuschen. Ich hatte also einen Plan mit einem hoch gesteckten Ziel und mittlerweile ziemlich viele Menschen, die den Plan gut fanden. Jetzt musste ich es nur noch machen.

Die Komfortzone verlassen um Neues zu lernen

„Scheitern gibt es nicht und einen Misserfolg gibt es auch nicht“! Ich habe für mein Projekt den Leitsatz gewählt: Es gibt nur Erfolg oder die Chance, etwas zu lernen! Ich verlasse meine Komfortzone und will Neues lernen. Aber Ich bin bereit, die zu erwartenden Risiken zu minimieren und mich dem Neuen zu stellen. Das bedeutete vor allem eine gute Vorbereitung. Konkret: Laufen, laufen, laufen mit Gepäck und so langsam an die durchschnittliche Tagesleistung herantasten. Ähnlich wie in Projektaufgaben im Beruf lernte ich hier von der Erfahrung anderer, sah dem Neuen optimistisch entgegen und machte mir über den möglichen Ausgang des Projektes vorab Gedanken – egal wie es ausgeht. Am Ende war es sicherlich auch eine gewisse Ruhe und Beharrlichkeit, die mir dabei geholfen hat, die 150 Trainings-Kilometer als ausreichend anzusehen.

Treue Wegbegleiter: 82 Kollegen aus vier Jahrzehnten Berufsleben

Natürlich hatte ich mir gewünscht, dass mich auch der ein oder andere Kollege auf meiner Tour begleitet. Umso mehr habe ich mich gefreut, als spürbar wurde, dass sich die aktuellen Kollegen, meine ehemaligen Teammitglieder und auch ein Teil meiner Führungskräfte dafür interessierte und mehr Details zur persönlichen Planung abgerufen wurden. Es war fantastisch und überwältigend zu sehen, mit wie viel Engagement sich alte und neue Kollegen verzahnt und mit coolen Aktionen ihr Interesse an einer Beteiligung gezeigt haben. Einmal mehr wurde mir bewusst, wie sehr eigentlich der Mensch selbst im Mittelpunkt unserer Tätigkeiten im (Berufs-) Alltag ist.

Wie sehr man von positiver Energie getragen werden kann, zeigte mir die Begleitung durch meine Kollegen. Auf der geplanten Laufstrecke bin ich nur etwa 70 Kilometer alleine gelaufen. Die meisten Wegbegleiter kannte ich aus meinem Berufsleben. Zum Teil wanderten wir meine Wegstrecke mit einer 13-köpfigen Mannschaft ab. In Summe waren über die drei Wochen 82 Kollegen aus knapp vier Jahrzehnten Berufsleben an meinem Lebenslauf beteiligt, sehr viele aus meiner aktiven Zeit als Produktionsplaner und Trainer für Lean-Management.

Mit Kind und Kegel, zu Fuß, mit dem Fahrrad, von wenigen Metern Begleitung bis zu 10 kompletten Tagesetappen fanden sich die unterschiedlichsten Wege, mich auf meiner Route zu begleiten. Es gab Kollegen, die ihren Urlaub in Österreich für einen Tag unterbrochen haben, andere errichteten ein regenfestes Basislager mit Zelt und Grillwürschtel. Das und viele weitere Überraschungen machten meinen Lebenslauf zu einem tollen Erlebnis. Ich finde: Die Vielfalt und Kreativität der Kollegen ist einfach genial und sollte vielleicht manchmal intensiver und proaktiv im beruflichen Alltag genutzt werden.

Das Fazit aus 22 Etappen Wanderung

Aus einer groben Idee ist wie bei vielen meiner beruflichen Projekte, bei denen ich nicht wusste, ob sie aufgehen, letztendlich doch ein großer Erfolg entstanden. Es gibt einen Spruch von Pippi Langstrumpf, der meine Einstellung zu der Wanderung ganz gut auf den Punkt bringt: „…da ich es noch nie versucht habe, darf ich mir einfach sicher sein, dass es funktioniert“. Dieser Satz hat mir geholfen, mit den Unsicherheiten in meinem letzten Projekt positiv umzugehen, nach vorne zu schauen und zuversichtlich zu sein, dass ich mindestens etwas lernen kann und im besten Fall sogar Erfolg ernte. Für mich jedenfalls war es ein Erfolg und die Beteiligung der Kollegen zeigt mir, dass ich vieles in all den Jahren richtig gemacht habe – ich bedanke mich bei allen, die dabei waren. Es war mir eine große Freude, mit euch meinen Lebenslauf zu teilen. DANKE!

Wie erwähnt, unterstütze ich mit dem Lauf zwei Hilfsorganisationen. Einmal das Ronald McDonald Haus in Homburg und das Ambulante Hospiz Neunkirchen.

Das Ronald McDonald Haus (Haus Homburg) kenne ich aus meiner Zeit als erwachsener Krebspatient an der Universitätsklinik Homburg. Hier wird Eltern schwer kranker Kinder eine kliniknahe Unterkunft angeboten, um in unmittelbarer Nähe zum Behandlungsangebot ihrer Kinder zu wohnen. Ich erinnere mich, wie schwer mir als Erwachsener die Akzeptanz der Diagnose gefallen ist und kann mir vorstellen, wie es betroffenen Eltern und Kindern dabei ergehen muss.

August 2021 - Thomas Schwegel

Wir vom Ronald McDonald Haus Homburg durften die Etappen virtuell begleiten und freuen uns über die wunderbare Spendensumme von 1.170 Euro. Herzlichen Dank! >Wie es zu dem Lebenslauf gekommen ist und die Unterstützung, die Thomas Schwegel erlebt hat, das alles hat mich sehr berührt. Eben ein Lebenslauf, der etwas anderen Art.< - so Hausleitung Tanja Meiser.

10.09.2021