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Unser
Ronald McDonald Haus
Kiel

Unsichtbare Geschichten

Allein im vergangenen Jahr haben bei uns 241 Familien ein Zuhause auf Zeit gefunden. Jede von ihnen schreibt eine individuelle Geschichte und kein Weg gleicht dem anderen. Mal mehr mal weniger intensiv nehmen wir im Ronald McDonald Haus an den Schritten des Patientenkindes und der Familie teil – je nachdem, wie es ihnen gut tut.

Doch bei uns landen weit mehr Geschichten als die von den Familien, die wirklich bei uns einziehen.

Auch die Geschichten der Menschen, die wir nicht persönlich kennen lernen, prägen unser Haus.

Das Telefon klingelt, eine neue Vormerkung wird von der Kinderstation getätigt: Eine Familie braucht eine Unterkunft, deren Kind voraussichtlich in das UKSH Kiel verlegt wird. Wir sagen dem Notfall ein Apartment zu, telefonieren mit den aufgeregten Eltern, offene Fragen werden geklärt, die Anreise abgesprochen. Erleichterung macht sich am anderen Ende der Leitung breit. Einige Stunden später wird bekannt: Das Kind wird doch in eine andere Klinik verlegt, das Apartment wird nicht benötigt. Die Eltern rufen dankbar an: >Vielen Dank für Ihre Mühe, nun wissen wir schon, wie es läuft. Wir haben großes Glück, dass es in der Nähe der anderen Klinik auch ein Ronald McDonald Haus gibt!<

Das Telefon klingelt, eine engagierte Pflegerin ruft uns an: Eine Patientin ist schwer krank und möchte ihre Eltern in der Nähe haben, die Klinik versucht eine Unterkunft für die Angehörigen zu finden. Leider stellt sich heraus, dass die Patientin schon Mitte 40 ist – gemäß Stiftungssatzung können wir im Ronald McDonald Haus in der Regel nur Familien von Patienten bis zum 18. Lebensjahr aufnehmen. Natürlich lässt uns das Schicksal dieser Familie nicht kalt, bleibt man doch gerade in solchen Lebenssituationen auf ewig Kind, Mama und Papa. Wir aktivieren unser Netzwerk, vermitteln der zuständigen Schwester Kontakte von anderen Einrichtungen, telefonieren kooperierende Hotels ab. Am Ende des Tages haben viele gemeinsam auch für diese Eltern eine Bleibe in der Nähe ihrer Tochter gefunden. Wir sind erleichtert.

Das Telefon klingelt, eine werdende Mama ruft an: Sie hat soeben durch die Pränataldiagnostik erfahren, dass sie ein herzkrankes Kind erwartet. Die Emotionen sprudeln über, Sorgen rund um die Schwangerschaft, die Geburt, aber auch alltägliche Probleme wie die Betreuung des großen Geschwisterkindes und Urlaubsgenehmigung für den Partner werden mit uns geteilt. Wir beruhigen und erzählen, wie unser Haus funktioniert und welche Schritte als nächstes anstehen. >Entschuldigen Sie, ich bin es schon wieder, ich habe noch eine Frage…<, hören wir mehrmals in den darauffolgenden Wochen von der werdenden Mama, wir erkennen die Nummer schon auf dem Display. Dann der unglaubliche letzte Anruf: Das Kind kam im Heimatort früher zur Welt, die Diagnose hat sich nicht bestätigt, die gesamte Familie kann nach den ersten Untersuchungen gemeinsam nach Hause und muss nicht zu Behandlung nach Kiel.

Oft lernen wir die Menschen hinter diesen Geschichten nicht persönlich kennen und doch prägen sie unser Haus. Im Stillen, im Hintergrund, in der Ferne haben sie unser Haus kennen und schätzen gelernt. >Unbekannterweise möchte ich Ihnen meinen großen Dank aussprechen. Mir wurde stets mit einem offenen Ohr begegnet und nach einem Telefonat hatten wir als werdende Eltern das Gefühl, wir können das schaffen. Sie haben uns Kraft und Mut gegeben und wir wurden mit einem Happy End belohnt. Danke!< Diese Worte berühren uns sehr. Wir wünschen euch und allen anderen Menschen und Kindern, die mit uns in Kontakt waren und sind, jedoch nie bei uns eingezogen sind, von Herzen alles, alles Gute.

09.03.2022