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Nordlind will leben!

Wenige Menschen müssen in ihrem Leben so viele Hürden nehmen, wie Nordlind bereits in ihrem ersten Lebensjahr. Ihre Eltern und Geschwister waren dabei die große Stütze, die ihr dank der Nähe Kraft gegeben haben, all das durchzustehen und sich immer wieder auf neuen Lebensmut zu besinnen.

Nordlind mit ihrer Familie in den Tagen kurz vor ihrer Entlassung, als sie immer wieder einmal zu uns ins Haus kommen durfte.

Nordlind Ewasam wurde am 10.09.2020 in der Klinik in Flensburg als Tochter von Mutter Kemeahalo und Vater Nils geboren. Mit ihrer Frühgeburt in der 24. Schwangerschaftswoche war sie ein extremes Frühchen, weswegen sie aus Kapazitätsgründen in das Maximalversorger-Krankenhaus nach Lübeck verlegt wurde. So kam es, dass nach der Entlassung von Kemeahalo aus dem Krankenhaus die Familie zu uns in das Ronald McDonald Haus zog, um Nordlind bei den weiteren Schritten möglichst nah begleiten zu können. Mit der Mutter zogen Bruder Noah (2 Jahre) und Schwester Natacha (12 Jahre) bei uns ein, Vater Nils unterstütze wann immer es neben der Arbeit ging und am Wochenende.

Schnell zeigte sich, dass Nordlind leider jenseits ihrer frühgeburtlichen Unreife auch darüberhinausgehende Schwierigkeiten hatte, die immer wieder Eingriffe und Operationen nötig machten. So musste sie lange beatmet werden, ihr Darm musste mehrfach operiert werden und somit bangten wir mit der Familie jeden Tag um das Leben der kleinen Nordlind.

Im vergangenen Herbst rollte die zweite große Corona-Welle über das Land, so dass die Bedingungen in vielerlei Hinsicht kompliziert waren. Die Kita für Bruder Noah war nur teilweise verfügbar, zudem im 170 km entfernten Flensburg. Für Schwester Natacha stand außerdem Home-Schooling auf dem Programm, was wir im Haus bei uns möglich machen konnten.

Natacha und Noah verbrachten gemeinsam viel Zeit bei uns im Haus, da sich Mutter Kemeahalo  jeden Tag unglaublich rührend um Nordlind in der Klinik kümmerte. Im Winter sind wir oft mit Noah Schlitten gefahren oder Ehrenamtliche haben regelmäßig Ausflüge mit ihm auf die Spielplätze der Umgebung unternommen, so dass Natacha und Kemeahalo etwas entlastet waren. Die Familie musste immer wieder Rückschläge verdauen, sie verlor aber nie den Glauben, dass es bald wieder Richtung Heimat gehen könnte, auch wenn es manchesmal nicht gut aussah für Nordlind. Aber Nordlind wollte leben und hat sich immer wieder zurückgekämpft, hat mit der großen Unterstützung ihrer Familie Unglaubliches geschafft. Nach 10 Monaten bei uns konnte die Familie so im Juli diesen Jahres nach Hause kehren.

Nordlind hat noch einen langen Weg vor sich. Einen Pflegedienst für ihren Fall zu finden ist sehr schwer, zudem ein echter Eingriff in die Privatsphäre der Familie. Wir bewundern die gesamte Familie, mit wie viel Kraft, Empathie und Flexibilität sie den Weg gemeinsam mit Nordlind geht und wünschen ihr nur das Beste für den weiteren Weg, der die Familie immer wieder noch einmal zu uns nach Lübeck bringen wird.

22.11.2021