Luca - unerwartet früh – Ronald McDonald Haus Sankt Augustin
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Luca - unerwartet früh

Jetzt ist gerade alles gut! Luca ist mit Mama und Papa zuhause.
Sein Start ins Leben lief aber nicht wie geplant.

Luca hatte es gar nicht eilig, als er in der 26. Schwangerschaftswoche von seiner Mama unerwartet zur Welt gebracht wurde. Der Muttermund von Sandra hatte sich einfach immer weiter geöffnet. Natürlich hatten die Ärzte ihr noch Wehenhemmer gegeben und die Spritze für das Erreichen der Lungenreife. 48 Stunden vor der Geburt ist das notwendig. Und immerhin, das Hinauszuzögern hatte geklappt. 48 Stunden konnte es sich Luca noch in Mamas Bauch gemütlich machen. Wobei >gemütlich< sicher nicht der richtige Begriff ist für das, was da um ihn herum geschah und was er selbst in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten erleben würde.

Luca in seinem Krankenhausbettchen
Zuhause strahlt Luca
Mitten im Familienalltag

Für Mama Sandra war es wie ein Schock. Sie dachte erst die Krämpfe im Bauch seien eine Magen-Darm-Verstimmung. Das CTG war super, Luca ging es bestens. Aber die Schmerzen waren Wehen und der Muttermund öffnete sich unaufhaltsam. Völlig unvorbereitet traf es die Schwangere und ihren Mann Anton, die gerade gut erholt von einem Kretaurlaub zurückgekommen war. Der Geburtsvorbereitungskurs hatte noch nicht mal begonnen, da war dieses kleine zierliche Lebewesen plötzlich da. Und es war nach der Geburt ganz anders, als man sich das so vorstellen würde, wenn man schwanger ist. Luca wog bei seiner Geburt nur 950 Gramm. Er wurde verkabelt und musste sofort in einen Inkubator.

 

In der ersten Nacht kam es zu einer Hirnblutung. Die Verbindung, die das Gehirnwasser zum Magen ableitet, hatte sich nicht richtig entwickelt und so staute sich die Flüssigkeit im Köpfchen. Eine OP sollte helfen, doch dann bekam Luca eine Infektion, so dass der medizinische Eingriff erst vier Tage später erfolgen konnte. Und wieder waren Lucas Eltern überrascht, als es soweit war und es ganz plötzlich hieß: >Wir haben Luca gerade transportsicher gemacht.< Er sollte so schnell wie möglich in Sankt Augustin operiert werden. Die erste Reaktion der Eltern: >Sankt Augustin? Wo ist das denn?< Doch es war keine Zeit. Sie setzten sich ins Auto und fuhren hinterher. Erst später erfuhren sie, dass Luca selbst gar nicht mit dem Rettungswagen gefahren wurde, sondern dass der kleine Mann den Luftweg genommen hatte, per Helikopter.

Ein Zuhause auf Zeit finden:

Es ging alles sehr schnell. Die OP erfolgte, die erste Ableitung wurde gesetzt und Luca war danach ein kleiner neuer Patient auf der Intensivstation in der Kinderklinik in Sankt Augustin. Bevor seine Eltern realisieren konnten, wo sie eigentlich gelandet waren, merkten sie schnell, dass ihr Zuhause (in Düsseldorf) einfach zu weit entfernt war von ihrem hilfsbedürftigen Sohn. Schnell hörten sie, dass es die Möglichkeit gibt, im Elternhaus nebenan, im Ronald McDonald Haus, zu wohnen. Schon am nächsten Tag zogen die Eltern dort ein. >Wir fanden das total schön. Wir wussten ja vorher gar nicht, dass es überhaupt so etwas gibt für Eltern von kranken Kindern. Das war ja unglaublich! So ein Ort, an dem man sich wohlfühlen kann.< Mama Sandra ist selbst aus dem Hotelgewerbe und weiß, was es heißt, ein solches Haus so zu betreiben, wie die Hausleitung und das Team dies leisten. Mit einem offenen Ohr für die Eltern und mit Liebe zum Detail. >Es ist ja auch unglaublich, wie viele ehrenamtliche MitarbeiterInnen da arbeiten, das ist wirklich toll.<

Zwei Wochen lang war nun das Ronald McDonald Haus in Sankt Augustin das zweite Zuhause der jungen Familie. Dann hatte sich Lucas Zustand so gut entwickelt, dass er als Frühchen wieder in der ersten Klinik gepflegt werden konnte bis zur geplanten zweiten OP in Sankt Augustin. Das genossen die Eltern. Die Großeltern konnten zu Besuch kommen und überhaupt fühlte es sich ein bisschen so an, wie >Nachhausekommen< – auch wenn es noch nicht die eigenen vier Wände waren.

Später ging es wieder nach Sankt Augustin zum nächsten geplanten Eingriff. Doch auch die OP musste immer wieder verschoben werden, so dass Lucas Eltern fünf weitere intensive Wochen im Haus verbrachten. Dieses Mal kochten sie bzw. ihr Mann häufiger und kamen mehr in Kontakt mit all den anderen Hausbewohnerinnen und -bewohnern. >Das ist das, was ich so schön finde an dem Haus. Dass man sich anfreundet und wenn man morgens zum Frühstück herunterkommt, dann hat man da jemanden zum Sprechen. Jemanden, der einen versteht. Alle waren miteinander sehr mitfühlend. Und wir kannten ja inzwischen auch schon all die lieben Mitarbeiterinnen und Ehrenamtlichen<, sagt Sandra. >Richtig toll fand ich immer dienstags das Verwöhnfrühstück und donnerstags bekocht zu werden – entweder von der Kochgruppe oder sogar von Firmen und anderen, die extra kommen, um für uns ein Dreigänge-Menü vorzubereiten!<

Sandra weiß auch, wie es ist, wenn man nicht im Elternhaus wohnen kann: Drei Nächte lang war sie im ersten Krankenhaus zuvor auf einem Eltern-Kind-Zimmer in der Klinik gewesen. >Aber da gibt es den ganzen Tag nur das Bett und einen Stuhl<, bringt Sandra es auf den Punkt. >In Sankt Augustin konnten wir direkt nebenan wohnen und wir konnten uns dadurch richtig viel um Luca kümmern. Das ist auch etwas ganz anderes als zuvor auf der Intensivstation, wo wir uns nicht mal eben für eine Pause gemütlich zurückziehen konnten<, berichtet die Düsseldorferin.

Streicheln verboten:

Dieses Mal konnten Sandra und Anton auch schon mehr mit Luca machen, ihn aus dem Bett holen zum Beispiel. In den ersten Tagen nach der Blitzgeburt durften sie beide hingegen nur die Hand in den Inkubator strecken, in dem tropische Hitze herrscht. Sie durften ihre Hand nur flächig auf Lucas zerbrechlich wirkenden Körper ablegen. Streicheln war von den Ärzten verboten worden. Die Haut eines so früh geborenen Lebewesens ist so empfindlich, dass ihm streicheln wehgetan hätte. >Ganz lange habe ich Luca nicht gestreichelt<, berichtet Sandra und man hört an ihrer Stimme, wie schwierig das durchzuhalten war und wie traurig. Am dritten Tag durfte sie mit Luca kuscheln, aber nicht so, wie man sich das für gewöhnlich vorstellt, wenn man ein gesundes Kind zur Welt bringt. Wegen all der Schläuche konnte Luca nur in eine Art Campingstuhl auf ihren Bauch gelegt werden. Man gab der gerade erst Mama gewordenen Sandra einen Spiegel, damit sie dabei überhaupt Lucas Gesicht sehen konnte. >Surreal!< fasst Sandra die Situation zusammen. Es wurde alles möglich gemacht, was möglich war, zugleich war das alles sehr schwer für die frisch gebackenen Eltern.

Doch alle wuchsen in ihre Rolle hinein. Heute wissen die Eltern Sachen, von denen sie zuvor nicht geahnt hatten, dass es so etwas überhaupt gibt. Die Eltern im Elternhaus stärken sich gegenseitig. So freundete sich Sandra mit einer Mama an, deren gesundes Kind mit im Haus lebte. Dann passte Sandra ab und zu auf den Kleinen auf. Das hat ihr gutgetan. >Ein Kind, das man richtig anfassen kann. Und wenn es schreit, ist es ganz anders, als wenn das eigene Kind weint.<

Endlich zuhause ankommen:

Sie erlebten im Haus viele schöne Begegnungen, aber auch traurige Momente mit anderen Familien. Für Sandra und ihren Mann Anton gab es ein Happy End – denn das Interview machten wir telefonisch, weil Luca bereits nach Hause entlassen wurde. Inzwischen hat sich der kleine Racker prächtig entwickelt. Für seine Mama steht fest, dass sein Sternzeichen >Löwe< kein Zufall ist. Ein so starker Kämpfer! Er ist das dritte Mal operiert, 7 Monate alt und inzwischen über 5 Kilo schwer. Und er weiß, was er will und was er nicht will. Bei den Milchsaugern ist er wählerisch, aber er liebt sein Mobilé  mit den zwei Hasen und den zwei Hunden über seinem Bettchen über alles. >Wenn er strampeln kann, ist er glücklich. Dann fängt er an zu lachen. Einfach so. Im Moment jetzt gerade ist alles gut!< berichtet Mama Sandra erleichtert. Sie ist dankbar, dass es das Ronald McDonald Haus für sie gab und zugleich überfroh, dass sie nun zuhause sind – Mama, Papa und Luca. Denn zuhause mit der Familie ist es am schönsten.

15.04.24