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Interview mit Laura Hülbüsch, Assistentin der Hausleitung und Ehrenamtskoordinatorin im Ronald McDonald Haus Sankt Augustin

Laura Hülbüsch ist Assistentin der Hausleitung und Ehrenamtskoordinatorin im Ronald McDonald Haus in Sankt Augustin. Sie organisiert und betreut das Team aus aktuell 45 Ehrenamtlichen.

Laura Hülbüsch, Assistentin der Hausleitung und Ehrenamtskoordinatorin im Ronald McDonald Haus Sankt Augustin
Laura Hülbüsch, Assistentin der Hausleitung und Ehrenamtskoordinatorin im Ronald McDonald Haus Sankt Augustin

Frau Hülbüsch, wie kam es dazu, dass Sie heute das Ehrenamt im Ronald McDonald Haus in Sankt Augustin koordinieren?

Ich habe vor zehn Jahren mein Freiwilliges Soziales Jahr im Ronald McDonald Haus in Köln gemacht. Ich kannte die McDonald’s Kinderhilfe Stiftung und damit die Arbeit des Hauses vorher gar nicht, habe mich aber nach meinem Jahr dort entschieden: den Job will ich machen. Seitdem arbeite ich für die Stiftung, früher auch als Ehrenamtliche, und habe dann als Festangestellte an verschiedenen Standorten in Deutschland in den Häuser gearbeitet und bin nun seit 2014 in Sankt Augustin. Ich habe das Haus mit eröffnet und das Ehrenamt-Team aufgebaut.

 „Den Job will ich machen“ – woran haben Sie das gemerkt?

Ich wusste vorher schon, dass ich gerne Familien begleiten würde. Da gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, beispielsweise im Krankenhaus oder beim Jugendamt. Vor meinem FSJ war ich mir unsicher, welchen Weg ich da am besten gehe. Die Arbeit im Haus hat mich davon überzeugt, dass ich genau das machen möchte: Familien unterstützen, deren Kinder krank sind, um ihnen einen möglichst normales Leben zu ermöglichen.

Haben Sie einmal darüber nachgedacht, sich woanders zu engagieren?

Tatsächlich nicht, nein. Ich bin einfach sehr stark davon überzeugt, dass das Konzept der Stiftung funktioniert, dass es den Familien wirklich hilft.

Was genau ist das Konzept?

Wir bieten den Familien, deren Kind in der Asklepios-Kinderklinik nebenan behandelt wird, einen Alltag außerhalb der Klinik. Im Ronald McDonald Haus haben sie ein eigenes kleines Apartment, einen Rückzugsort außerhalb des Krankenhauses. Hier können sie frühstücken, die Geschwisterkinder mit Malen, Basteln oder Spielen beschäftigen, kochen und Gemeinschaft mit anderen Eltern haben. Hier können sie Kraft tanken. Und das überträgt sich auf das Kind. Hilfe macht viel aus.

Wo braucht es da Ehrenamtliche?

Überall. Wir sind ein Team aus fünf Hauptamtlichen und 45 Ehrenamtlichen. Ohne die Ehrenamtlichen könnten wir die Betreuung des Hauses nicht stemmen. Da wir uns aus Spenden finanzieren, sind wir auf Menschen angewiesen, die unentgeltlich ihre Zeit investieren, um uns und die Familien zu unterstützen.

Sie haben selbst als Ehrenamtliche gearbeitet, nun haben Sie als Koordinatorin noch einen anderen Blick auf die Arbeit. Welche Erfahrungen haben Sie in der Betreuung Ihres Teams gemacht?

Erst einmal kann und muss ich sagen, dass ich sehr stolz auf mein Team bin. Jeder einzelne ist wie ein Puzzleteil, die Menschen bringen ihre Fähigkeiten mit. Manchen übernehmen wöchentlich feste Aufgaben wie die Reinigung der Küche. Andere übernehmen Aufgaben in der Verwaltung oder im Eventmanagement, da kommt es natürlich immer darauf an, was gerade ansteht. Grundsätzlich gilt für das Ehrenamt bei uns im Haus: alle machen alles. Und neben den Fähigkeiten, bringen unsere Ehrenamtlichen auch diese Bereitschaft mit. Mal wird geputzt, mal eingekauft, mal ein Kuchen gebacken: unsere Ehrenamtlichen sind flexibel und das ist großartig.

Und da gibt es keine Schwierigkeiten?

Schwierig ist es am Anfang, wenn es darum geht Vorstellungen und Erwartungen zusammenzubringen. Deshalb haben wir unsere Kennenlerngespräche, wo einfach geguckt wird, welche Erwartungen die Person an ein Ehrenamt hat, welche Aufgaben bei uns anfallen und ob das zusammenpasst. Danach folgen Schnuppertermine, nach denen geguckt wird, ob eine langfristige Zusammenarbeit für beide Seiten in Frage kommt.

Und wie motivieren Sie das Team?

Wir sind unendlich dankbar für das Engagement der Ehrenamtlichen und bringen das auch immer wieder durch verschiedene Aktionen zum Ausdruck wie regelmäßige Teamtreffen, Workshops und gemeinsame Ausflüge. Die eigentliche Motivation ist meiner Meinung nach jedoch die Arbeit selbst, das positive Feedback der Eltern und die Tatsache, dass mit einem kleinen Handgriff schon viel getan ist. Wer das Apartment reinigt, denkt sich vielleicht nicht viel dabei, aber wer die Familien begrüßt und ihnen das Apartment zeigt, der sieht, wie sehr sich viele Eltern über ein eigenes Badezimmer mit sauberer Toilette und sauberer Dusche freuen. Diese Erfahrungen teilen wir auch mit einander, sodass die Ehrenamtlichen mitbekommen, dass sie den Dienst hier für die Eltern tun.

Welche Bedeutung messen Sie persönlich dem Ehrenamt bei?

Ich denke, dass wir zu wenig über Ehrenamt sprechen und dass gerade junge Leute so etwas gar nicht im Blick haben. Es wird jedoch immer wichtiger in der Gesellschaft, dass wir helfen, ohne etwas zurückzubekommen. Obwohl die Ehrenamtlichen eigentlich sehr viel zurückbekommen.

Welche Bereicherung ergibt sich denn für die Ehrenamtlichen?

Man kann dadurch auch für sich selbst viel lernen: nicht nur grundlegende Dinge wie pünktlich da sein oder den freundlichen Umgang mit Menschen in einem neuen Umfeld. Ich persönlich habe durch die vielen verschiedenen Situationen, in denen ich mich im Laufe der Jahre wiedergefunden habe, gelernt, die Bedürfnisse anderer Menschen zu sehen und ein Gefühl dafür zu haben, welche Person in welcher Situation was braucht. Es ist ein unheimlich mitfühlender Job: natürlich gibt es traurige Situationen, aber man freut sich mit den Eltern auch über jedes Gramm, das ein Neugeborenes zunimmt. Auch mein Selbstbewusstsein ist gewachsen, ich bin offen für neue Leute und das Wichtigste: ich habe eine Wertschätzung für die kleinen Dinge bekommen. Und wer sich selbst nach getaner Arbeit gut fühlt, kann das an Andere weitergeben. 

14.05.19