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Ronald McDonald Haus
Hamburg-Eppendorf

Pauline geht ihren Weg: eine Geschichte vom Mutmachen und Loslassen

Mutmachgeschichten werden meist mit den besten Absichten erzählt. Man möchte einem lieben Freund in einer meist verzweifelten Situation Mut machen und ein Stück Hoffnung auf den Weg geben.  Doch mal ehrlich, denkt man nicht meist als Betroffener, dem gerade so eine wohlgemeinte Geschichte erzählt wird: "Was für ein Humbug, so toll endet es doch meistens sowieso nicht?". Weit gefehlt! Denn die Geschichte, die wir Ihnen hier erzählen möchten, ist eine wahre Geschichte. Es geht um die kleine Pauline, die eigentlich längst schon ein großes, selbstbewusstes fast zwölfjähriges Mädchen ist. Doch es ist auch eine Geschichte vom Loslassen, von zwei Eltern, die den Mut hatten, ihr Kind schon in ganz jungen Jahren seinen eigenen Weg gehen zu lassen.

Ich schaffe das!
Am Wochenende kam immer der Papa
Gemeinsam meistert die Familie die schwierige Zeit
Paulina und ihre Traumschule
Ich bin nicht alleine
Girlpower

Ein Junitag im Jahr 2013. Vor der Tür des Ronald McDonald Hauses stand die damals 3,5-jährige Pauline mit ihren Eltern Frank und Nadine. Nach unzähligen Voruntersuchungen und Kranken-aufenthalten sind sie von Bielefeld nach Hamburg bekommen, um hier ihre Behandlung anzutreten. Bei Pauline war ein gutartiger, jedoch nicht operabler Gehirntumor diagnostiziert worden. Bis zur eindeutigen Diagnose war bereits viel Zeit vergangen. Die Eltern hatten sich intensiv informiert und schließlich für das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) entschieden. Hier planten die Ärzte eine sanfte, aber langwierige Chemotherapie, um das Mädchen zu behandeln. Keiner der drei ahnte 2013, dass ihr Aufenthalt im Ronald McDonald Haus final 85 Wochen (!) dauern würde. Noch immer ist es einer der längsten Aufenthalte einer Familie im Ronald McDonald Haus.

Am Anfang ging es nur darum, sich in der neuen, schwierigen Situation einzufinden. Eine neue Umgebung und ein langer Behandlungsweg mit vielen Höhen und Tiefen lag vor ihnen. Frank blieb während der Woche bei seiner Arbeit in Bielefeld und fuhr am Wochenende zu seiner Familien nach Hamburg. Sämtlich Urlaube, Feiertage, Geburtstage feierten die drei in der Robert-Koch-Straße. Ganz am Anfang der Therapie entschied sich Nadine zu einem einschneidenden Schnitt, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn Pauline schon alle ihre Haare verlieren würde, dann sollte sie nicht alleine bleiben. Kurzerhand ließ sich die Mama in Eppendorf beim Friseur einen 2mm-Haarschnitt verpassen.

Gemeinsam meistern Pauline und ihre Eltern die aufreibende Zeit

Alle drei haben die lange Zeit großartig gemeistert. Mit Heiterkeit und ihrem Familienmotto "Schlimmer geht immer" schafften sie die Zeit bis zur Entlassung von Pauline 2015. Von nun an durfte sie ins "richtige" Leben starten. Allerdings würde das Mädchen fortan eine starke Beeinträchtigung ihres Sehvermögens begleiten. In Bielefeld besuchte sie vier Jahre lang eine Grundschule mit Integration und den Förderlehrern stets an ihrer Seite. Zu dieser ständigen Begleitung gesellte sich mehr und mehr das Gefühl, dass sie immer anders als der Rest ihrer Klasse sein würde. Und auch nie mit einer Freundin im Unterricht ganz unbeschwert sein konnte, da immer der Förderlehrer an ihrer Seite war. Kurz vor dem Übertritt in die 5. Klasse machte die Inklusionslehrerin die Familie auf das einzige deutsche Gymnasium für Blinde und Sehbehinderte aufmerksam: die Carl-Strehl Schule, die zur "blista", einem renommierten Kompetenzzentrum für Blinde und Sehbehinderte gehörte.

Loslassen oder festhalten? Eine schwere Entscheidung

Pauline war Feuer und Flamme und sagte sofort "Das ist meine Schule!" Für Frank und Nadine bedeutete dies eine schwere Entscheidung, denn Pauline würde ab sofort unter der Woche in einem zur Schule gehörigen Internat in Marburg fernab ihrer Eltern wohnen. Loslassen oder festhalten? Frank und Nadine entschieden sich, ihr Kind in Liebe loszulassen – und haben den Schritt in keiner Weise bereut. Alle drei haben sich mit und für Pauline im Leben neu eingerichtet. Dem Ronald McDonald Haus Hamburg-Eppendorf fühlen sich alle noch immer verbunden, nicht zuletzt müssen sie alle sechs Monate zu Kontrolluntersuchungen nach Hamburg kommen.

Früher wollte Pauline einmal Hausleiterin in einem Ronald McDonald Haus werden. Doch dann wuchs der Gedanke Ärztin zu werden. Aber schnell erkannte das aufgeweckte Mädchen, dass das ein Traum bleiben würde  "Mir ist schon klar", so die Elfjährige, "dass ich nicht richtig scharf und klar sehen kann. Deshalb würde es als Ärztin für mich sicher nicht ganz einfach werden. Deshalb möchte ich lieber Kindergärtnerin werden. Ich glaube, das kann ich richtig gut". Wie klar, selbstbewusst und sich ihrer sicher dieses Mädchen ist, das alle im Ronald McDonald Haus als die "kleine Pauline" erinnern.

Lieber Leser, hat jemand da noch irgendeinen Zweifel, dass hier zwei Eltern alles richtig gemacht haben? Chapeau! Loslassen in Liebe auch wenn einem zwischenzeitlich das "Kind-weh" unsagbar plagt.  (O-Ton Nadine, das Wort Heimweh ganz pragmatisch umgewandelt). Die Geschichte von Pauline ist noch nicht zu Ende erzählt, aber ein kleines Zwischen-Happy-End ist es doch. Dieses Mädchen wird seinen Weg im Leben gehen. Fortsetzung folgt – wir werden berichten. 

15.04.20
 

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